Meißen

Triptychon Herzog Georgs und seiner Gemahlin Barbara

Lucas Cranach d.Ä., Triptychon Herzog Georgs und seiner Gemahlin Barbara 

Lucas Cranach d. Ä.
um 1534
Tempera auf Holz
Mittelbild: 112 x 99 cm
Seitenflügel: 115,5 x 45,4 – 45,7 cm
Hochstift Meißen

Auf dem Mittelbild unten zwischen den Knien Christi mit dem Cranach Signet (Schlange nach rechts; mit aufgerichteten Flügeln) bezeichnet und datiert.


Auf dem 1534 datierten und von Lucas Cranach d. Ä. signierten farbstarken Triptychon ist im Mittelbild Christus sitzend als Schmerzensmann, der von Maria und Johannes gleichsam präsentiert wird, dargestellt. Ein Schwarm von Putten, teilweise mit den Marterwerkzeugen Christi, bilden eine Art Baldachin über der Figurengruppe und geben der Auferstehungshoffnung des Stifters Ausdruck.

Herzog Georg der Bärtige ist auf dem Flügel links, seine Gemahlin Barbara auf dem Seitenflügel rechts zu sehen. Hinter ihnen stehen je zwei Apostel, hinter dem Herzog Jakobus d.Ä. und Petrus, hinter der Herzogin der Apostel Andreas und Paulus.

Als Schutzpatrone legen Jakobus und Andreas eine Hand empfehlend auf die Schulter von Herzog und Herzogin. Dagegen beziehen sich die hinweisenden Gesten von Petrus und Paulus auf die Texte aus den Briefen der Apostelfürsten, die über den Stiftern angebracht sind. Das Triptychon wurde als Altar– oder Epitaphbild nach dem Tod der Herzogin zur Aufstellung in der Grabkapelle im Dom zu Meißen geschaffen, wo es sich noch heute befindet.

Inschrift auf dem linken Seitenflügel oben:

MVLIERES DEBENT ESSE: SUBDITÆ
MARITIS SICUT DEO I MARITI DEBENT
DILIGERE VXORES SICUT CORPVUS
IQVILIBET DILIGAT VXOREM SICVUT SE
IPSVUM I VXOR TIMEAT MARITVM AD EPHE:
5 I MVLIERESEANT HONESTVM
VESTITUM I CVM DISCRETIONE AD
TIMOTH: 2

("Die Frauen seien Untertan ihren
Männern wie dem Herrn. So sollen auch die Männer
Ihre Frauen lieben wie ihren eigenen Leib. Ein jeder
liebe seine Frau wie sich selbst. Die Frau [aber]
fürchte den Mann. Bei Ephe: 5 [aus dem Brief des
Paulus an die Epheser , Kapitel 5]. Die Frauen [sollen
sich] kleiden in schicklichen Kleidern mit Zucht. Bei
Timoth: 2 [aus dem ersten Brief des Paulus an Timotheus, Kapitel 2]")


Inschrift auf dem rechten Seitenflügel oben:

ESTOTE SVBDITI OMNI HVMANÆ
CREATURÆ I PROPTER DEUM SIVE REGI
SICVT PRÆ= I CIPVO SIVE PRINCIPIBVS
TA [M] QVAM AREGE I MISSISIN
VINDICTAM MALORVM LAUDEM I VERO
BONORVM QVIA SIC EST VOLVNTAS I DEI
PRET: SECVNDO

("Seid untertan aller menschlichen
Ordnung um des Herrn Willen, sei es dem
König als dem Vorzüglichsten, sei es den Fürsten,
zum Lobe der Rechtschaffenden, das ist der Wille
Gottes. Pfet: Secundo [aus dem ersten Brief des
Petrus, Kapitel 2]")

Heinrich Magirius

Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Magirius ist emeritierter Professor für Kunstgeschichte und Dr. der Philosophie an der TU Dresden.