Meißen

Porträt des kursächsischen Rates Hans von Lindenau

 Lucas Cranach d.J., Hans von Lindenau, Meißen, Dommuseum

Lucas Cranach d.J.
Öl auf Lindenholz
1581
115 x 80 cm
Dommuseum, Dauerleihgabe der Evang.-Luth. Kirchgemeinde Liebstadt-Ottendorf

Fotograf: Janos Stekovics
Bildrechte: Hochstift Meißen

Der aus einem alten Meißnischen Adelsgeschlecht stammende Hans von Lindenau (1541-1598) war Rat des sächsischen Kurfürsten August, der ihn 1584 mit dem Amt eines Oberaufsehers für die  Grafschaft Mansfeld betraute. Gleichzeitig war er Amtmann von Sangerhausen. 1585 hatte er das Rittergut Ottendorf bei Pirna erworben, wo er bis zu seinem Tod 1598 lebte. Für die Ottendorfer Kirche stiftete er ein Altarretabel, eine Kanzel und einen Taufstein. Testamentarisch vermachte er der Kirche zu Ottendorf seine theologischen Bücher. Mit einer Inschrift am Altarretabel und dem in der Kirche aufbewahrten Porträt wurde die Erinnerung an den Stifter und Patron der Ottendorfer Kirche wach gehalten. Bis zur Restaurierung (1992/93) hing das Porträt in der Betstube über der Sakristei. 2003 wurde es dem Dommuseum Meißen als Dauerleihgabe übergeben.

Lucas Cranach der Jüngere stellte Hans von Lindenau als Halbfigur dar vor graublauem Hintergrund. Er trägt einen Pelzmantel mit weißen Krausen am Hals und an den Ärmeln. In der Linken hält er einen Hut, der geschmückt ist mit einer Feder und einer Kette mit Edelsteinen. An der rechten Hüfte trägt er einen Dolch mit einem prachtvollen Silberknauf, auf dem ein Einhorn zu sehen ist. Rechts oben erscheint das Stammwappen der Lindenaus, das eine Linde mit Wurzeln zeigt. Das Porträt musste selbstverständlich auf Lindenholz gemalt werden. In der Cranachwerkstatt wurden dafür sieben Lindenholzbretter zusammengeleimt. Links neben dem Pelzkragen ist das Bild mit der geflügelten Schlange signiert und „1581“ datiert. An einer goldenen Kette trägt von Lindenau den sogenannten Gnadenpfennig – eine Medaille mit dem Bildnis des Kurfürsten August von Sachsen (1526-1586), die vom Kurfürsten als Anerkennung für treue Dienste verliehen wurde.

Hans-Peter Hasse