31.07.2020 08:38 Alter: 5 days
Kategorie: Presseinformation, PI 2020

Wege zu Cranach: Aschaffenburg wird neues Mitglied in Städtekooperation


Niemand hat der Reformation so sehr ein Gesicht gegeben wie der Renaissance-Maler Lucas Cranach d.Ä. Mit seinen zahlreichen Reformatoren-Porträts sowie seinen aussagestarken protestantischen Lehrbildern, Druckgrafiken und Altären trug er maßgeblich dazu bei, das neue religiöse Gedankengut einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Doch wer hier schlussfolgert, dass Cranach sich katholischen Auftraggebern verweigert hätte, der irrt. Im Gegenteil, der Hofmaler und seine Wittenberger Werkstatt waren nicht zuletzt deshalb so erfolgreich, weil sie im modernen Sinne geschäftstüchtig immer wieder gleichzeitig für beide Konfessionen tätig waren.

Einer der größten katholischen Auftraggeber der Zeit war Kardinal Albrecht von Brandenburg, in einer Person Reichskanzler, Kurfürst und Erzbischof von Mainz. Für diesen mächtigen Kirchenfürsten fertigte die Cranach-Werkstatt zwischen 1520 und 1525 einen der größten Gemäldeaufträge der deutschen Kunstgeschichte: die Hallenser Stiftskirche erhielt 16 große Flügelaltäre mit insgesamt 142 Tafelbildern. Vieles davon ist verloren gegangen, doch einiges hat überdauert. Der größte noch erhaltene Altar ist der sogenannte Magdalenen-Altar, zunächst in Einzelteilen an vielen Orten verstreut, seit 2007 wiedervereint im Stiftsmuseum der Stadt Aschaffenburg zu sehen, der Zweitresidenz der Kurfürsten und Erzbischöfe von Mainz, in der auch noch zahlreiche weitere Hallenser Schätze zu bewundern sind.

Entsprechend groß ist die Freude der Städtekooperation „Wege zu Cranach“, diesen bedeutenden Cranach-Ort als neues Mitglied begrüßen zu dürfen. Seit 2011 schon widmet sich dieser Verbund mit seinen nunmehr vierzehn Mitgliedern aus Bayern, Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt dem Erhalt des Cranach-Erbes und seiner kulturtouristischen Erschließung. Reisende können im Zentrum der Reformation, in Lutherstadt Wittenberg, zum Beispiel Cranachs Werkstatt besichtigen, an Orten wie Neustadt an der Orla, in Schneeberg oder Meißen große Kirchenaltäre Cranachs am ursprünglichen Aufstellungsort entdecken oder im Fränkischen wie in Nürnberg, Coburg oder an Cranachs Geburtstort Kronach umfangreiche Cranach-Bestände in musealen Sammlungen bestaunen und studieren.

Neben der nachhaltigen Pflege des kunsthistorischen Cranach-Erbes feiert die Städtekooperation auch immer wieder ganz besondere Stationen im Leben des großen Renaissance-Künstlers. So konzentrieren sich die „Wege zu Cranach“ derzeit auf die Vorbereitung des nächsten großen Cranach-Jubiläumsjahres, das 2022 ansteht. Dann jährt sich Luthers Neuübersetzung des Neuen Testamentes auf der Wartburg, die Erstellung des sog. „September-Testamentes“ zum 500. Male. Cranach hat Luthers Volksbibel nicht nur verlegt, sondern auch aufwendig illustriert. Dabei handelt es sich um 11 ganzseitige Holzschnitte, die zeitgleich mit den Altären der Hallenser Stiftskirche entstanden sind. Cranach ist eben sowohl protestantischer als auch katholischer Bildgeber, und genau das bringt die neue Mitgliedschaft Aschaffenburgs auf beeindruckende Weise zum Ausdruck.

Oberbürgermeister Jürgen Herzing, Waltraud F. Gulder (Leiterin des Touristikbetriebes), Dr. Thomas Schauerte (Direktor der Museen der Stadt Aschaffenburg)

Von links nach rechts: Oberbürgermeister Jürgen Herzing, Waltraud F. Gulder (Leiterin des Touristikbetriebes), Dr. Thomas Schauerte (Direktor der Museen der Stadt Aschaffenburg)

Der Oberbürgermeister Aschaffenburgs, Jürgen Herzing, der Direktor der Museen der Stadt Aschaffenburg, Dr. Thomas Schauerte und die Leiterin des Touristikbetriebes Waltraud F. Gulder begrüßen die Aufnahme bei der Städtekooperation „Wege zu Cranach“ und freuen sich auf eine spannende und gegenseitig befruchtende Zusammenarbeit gerade im Hinblick auf das anstehende Jubiläumsjahr 2022.