04.04.2013 16:32 Alter: 5 yrs
Kategorie: Artikel, Wege zu Cranach

Das Cranach Digital Archive – Interview mit Professor Gunnar Heydenreich

Das Cranach Digital Archive (cda) versteht sich als Arbeitsplattform für die Cranach-Forschung. Es sammelt systematisch Bildmaterial und wissenschaftliche Informationen und macht sie online zugänglich. Ein Gespräch mit Prof. Dr. Gunnar Heydenreich, dem Leiter des Projekts.


Gunnar Heydenreich lehrt als Professor für Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft am Cologne Institute of Conservation Sciences der Fachhochschule Köln. Er leitet ein internationales Forschungsprojekt zur digitalen Erschließung der Gemälde von Lucas Cranach (www.lucascranach.org) am Museum Kunstpalast in Düsseldorf.

Cranach-Magazin: Auf Ihrem Internetportal Cranach Digital Archive haben Sie ungewöhnlich viel Bildmaterial zusammengestellt. Dieses wird darüber hinaus noch um wissenschaftliche Informationen ergänzt. An wen richtet sich Ihr Portal?

Gunnar Heydenreich: Das Portal richtet sich an alle, die mehr über die Gemälde Lucas Cranachs erfahren wollen. Primär dient es jedoch Forschern als Arbeitsplattform, indem hier nicht nur hochaufgelöste Abbildungen zugänglich sind, sondern auch zahlreiche weitere Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen digital aufbereitet werden, die weltweit in zahlreichen Archiven lagern oder erst aktuell im Rahmen dieses Projektes generiert wurden.

Cranach Digital Archive - Screenshot Startseite

CM: Welche Informationen findet man dort genau?

GH: Sie finden dort nicht nur allgemeine Metadaten zu den Gemälden, sondern auch weiterführende Informationen zu Datierungen, Zuschreibungen, Provenienzen und Interpretationen sowie Ergebnisse technologischer Untersuchungen mit zahlreichen technischen Aufnahmen und Restaurierungsdokumentationen. Zum Beispiel können sogenannte Infrarot-Reflektografien die Unterzeichnung unter den Farbschichten sichtbar machen. Nur durch die vergleichende Auswertung dieser zahlreichen kunsthistorischen, kunsttechnologischen und konservierungswissenschaftlichen Befunde können wir uns tatsächlich einem ganzheitlicheren Verständnis der Kunst Cranachs annähern.

CM: Wie werden die Informationen aufbereitet?

GH: In enger Kooperation mit zahlreichen Kollegen in mittlerweile mehr als 80 Partnerinstitutionen tragen wir diese Informationen zusammen, bereiten sie mit unserem kleinen engagierten Team in einem Collection Management System (d:kult) auf und exportieren sie dann mit den Abbildungen in die Online-Datenbank. Da alle Textinformationen zweisprachig Deutsch und Englisch angeboten werden, ist der Editionsaufwand erheblich.

Cranach Digital Archive - Cranach-Werke mit Darstellungen der Lukretia

CM: Weshalb beteiligen Sie sich an dem Projekt Wege zu Cranach?

GH: Das Cranach Digital Archive richtet sich primär an Forscher und kann die Vermittlung der zahlreichen Untersuchungsergebnisse an eine breitere Öffentlichkeit nur begrenzt leisten. Hier sehe ich die große Chance, dass die Wege zu Cranach mittels weiterer inhaltlicher Aufbereitung und touristischer Erschließung ein noch breiteres Publikum für Lucas Cranach und seine Kunst an authentischen Orten begeistern können.

CM: Welche Schnittstellen gibt es zwischen Wege zu Cranach und Cranach Digital Archive?

GH: Wir stellen uns vor, dass die Gemälde in den Partnerstädten primär im Kontext der Wirkungsorte Cranachs und seiner Zeit beschrieben werden. Wer mehr über das einzelne Werk erfahren möchte oder dies im Vergleich mit anderen Werken zum gleichen Thema betrachten mag, der kann sich künftig direkt ins cda durchklicken.

CM: Wie arbeiten Sie mit den Städten der Kooperation Wege zu Cranach zusammen?

GH: Als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates versuche ich entsprechend meiner zeitlichen Möglichkeiten beratend mitzuwirken. Indem wir kürzlich auch die Cranach-Gemälde auf der Wartburg in Eisenach untersuchen und dokumentieren durften, werden demnächst alle Kooperationspartner der Wege zu Cranach mit den bedeutenden Werken im Cranach Digital Archive vertreten sein.

Cranach Digital Archive - Lucas Cranach, Selbstmord der Lukretia, Coburg - Detail

CM: Sie bauen das Cranach Digital Archive kontinuierlich aus. An welchem Projekt arbeiten Sie gerade?

GH: Vor einigen Wochen konnten wir mit dem Thüringischen Hauptstaatsarchiv und den Historikern Monika und Dieter Lücke die gemeinsame Digitalisierung und Transkription der Schriftdokumente zu Lucas Cranach verabreden. Das Vorhaben umfasst ca. 500 Briefe und Abrechnungen in den kursächsischen Rechnungsbüchern. Diese wertvollen Dokumente werden dann auch im Cranach Digital Archive zugänglich und über eine Zeitleiste mit den Gemälden auswertbar.

CM: Welches Projekt steht als nächstes an?

GH: Erst einmal möchte ich die begonnenen Vorhaben erfolgreich abschließen und mich vertiefend meinem Lehrgebiet, der Erhaltung moderner und zeitgenössischer Kunst widmen.

CM: Professor Heydenreich, wir danken für dieses Gespräch.