Rückblick auf das Cranach-Jahr

Kronach

Unter dem Motto „Kronach, Stadt des Vaters“ hat die Lucas-Cranach-Stadt Kronach mit mehr als 30 Veranstaltungen das Cranach-Jahr 2015 gefeiert. Vorträge, Ausstellungsfahrten, Kunstworkshops und sogar Sportveranstaltungen lockten viele Cranach-Begeisterte an. Im Mittelpunkt des Besucherinteresses stand die komplett modernisierte Fränkische Galerie, das Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums München, auf der Festung Rosenberg.

Blick in den Cranach-Saal der Fränkischen Galerie, Kronach

28.400 Besucher wollten die neue Präsentation der Kunstwerke aus dem späten Mittelalter in Ober-, Mittel- und Unterfranken 2015 sehen. Höhepunkt des Museumsrundgangs war dabei im Cranach-Jahr selbstverständlich der Cranach-Saal mit neun Werken von Cranach und seiner Werkstatt sowie weiteren elf Tafelbildern aus Schule und Umkreis des Meisters.

Coburg

Mit drei Beiträgen sind die Kunstsammlungen der Veste Coburg 2015 auf die Bedeutung der Cranachs und ihrer Werkstatt, sowie auf die Kunst zur Cranach-Zeit eingegangen. Unter dem Titel „Kunst, Religion, Politik. Bilder und ihre Funktionen im Wandel“ wurde die Dauerausstellung der altdeutschen Sammlung in neuem konzeptionellen, gestalterischen und didaktischen Gewand präsentiert. Erstmals sind über 30 Gemälde von Lucas Cranach d. Ä. und Lucas d. J. in diesen Ausstellungsräumen zusammengezogen und bilden einen beeindruckenden Schwerpunkt.

Coburg - Blick in die Ausstellungsräume mit Cranach-Werken

„Cranachs Graphik. Neue Narrative im Zeichen der Schlange“ war eine Sonderausstellung betitelt, die anhand von 100 Exponaten die Leistungen der Wittenberger Künstler im Bereich der Druckgraphik vor Augen führte, die einzige Schau im Cranach-Jahr, die sich diesem Thema detailliert widmete. „Die dunkle Seite der Renaissance. Bizarrerien im Kontext der italienischen Druckgraphik des 16. Jahrhunderts“ schließlich griff über die Kunst nördlich der Alpen hinaus und zeigte eine bisher kaum untersuchte Seite der italienischen Graphik der Cranach-Zeit. Die Präsentationen haben ein interessiertes Publikum gefunden. Im Zeitraum von 27. März bis 12. September zählten die Kunstsammlungen der Veste Coburg 49.000 Besucher. Zu bemerken war der verstärkte Besuch eines überregionalen bzw. internationalen Fachpublikums, das sich auf den Spuren Cranachs bewegte. Das Interesse an einer Erweiterung der Cranach-Thematik sowie deren Verknüpfung und Vergleich mit zeitgleichen Phänomenen in anderen Kunstlandschaften drückt sich in der nachhaltigen Nachfrage nach dem Katalog der Ausstellung „Die dunkle Seite der Renaissance“ aus.

Lutherstadt Wittenberg

Lucas Cranach d.J. wurde vor 500 Jahren in Wittenberg geboren. Sachsen-Anhalt, das Ursprungsland der Reformation, präsentierte aus diesem Anlass die Landesausstellung Lucas Cranach d. Jüngere – Entdeckung eines Meisters. Dies war eine Weltpremiere, denn es hatte noch keine Ausstellung gegeben, die sich ausschließlich dem Leben und Werk des jüngeren Cranach widmete. An den authentischen Orten in Wittenberg luden vier Ausstellungen zu einer Begegnung  mit dem Künstler ein. Die Hauptausstellung mit vielen Gemälden und Grafiken wurde im Augusteum der Stiftung Luthergedenkstätten gezeigt, ebenso die Ausstellung Pop up Cranach, die speziell für Kinder gestaltet wurde. Die Stadtkirche St. Marien präsentierte ihren reichen Schatz an Epitaphen Cranachs d.J. und dokumentierte die spannende Restaurierung des Reformationsaltars. Unter dem Namen Cranach-City wurden viele Projekte Wittenberger Akteure zum Cranach-Jahr zusammengefasst: Kunstaktionen, Lichtinstallationen, Vortrags- und Ausstellungsreihen. Hauptprojekte waren dabei der gemeinsam mit der Lucas-Cranach-Stadt Kronach ausgeschriebene Cranach-Preis und die Ausstellung Cranachs Welt im Geburtshaus Cranachs d.J. 2015 war Wittenberg nicht nur die Stadt Luthers, sondern auch die Stadt Cranachs.

Lutherstadt Wittenberg - Ausstellung Cranachs Welt - Wandtafeln

Cranachs Welt

Am 26. Juni 2015 eröffnete die Cranach-Stiftung im Rahmen der Landesausstellung Cranachs Welt eine kulturhistorische Ausstellung, die einen Überblick über das an Themen und Motiven reiche Werk der Künstlerfamilie vermittelt, den Fragen des Werkstattprozesses nachgeht und Kostbarkeiten wie die Cranach‘schen Wandmalereien zeigt. Erstmals wurden zudem die bau- und kulturhistorisch wertvollen Räume des Hofes Markt 4, in dem im Jahr 1515 vermutlich Lucas Cranach d. J. geboren wurde, in einem Rundgang für die Öffentlichkeit erschlossen. Aufgrund der großen Resonanz wurde die Ausstellung nicht nach dem Ende der Landesausstellung abgebaut, sondern wird auch weiterhin zu sehen sein.

Die Malerfamilie Cranach hat auch ein erstaunliches grafisches Werk hinterlassen. Gezeigt wird u.a. das Olmützer Messbuch mit Holzschnitten aus dem Jahr 1503, das für die Ausstellung mit Hilfe des Cranach-Höfe-Fördervereins erworben werden konnte. Eine in der Ausstellung stehende Druckerpresse zeigt anschaulich, wie derartige Bücher in der frühen Neuzeit gedruckt wurden. Die Cranachs waren aber nicht nur Maler und Grafiker, sondern auch Ratsmitglieder, Bürgermeister, Immobilien- und Apothekenbesitzer. Die Ausstellung stellt diese Geschäftsfelder vor und schlägt dabei eine Brücke zu den in den Cranach-Höfen ansässigen Künstlerwerkstätten, zur Cranach-Apotheke, zum Cranach-Garten und zur Malschule.

Torgau

Zahlreiche Werke der Cranach-Werkstatt waren im Rahmen der 1. Nationalen Sonderausstellung "Luther und die Fürsten" von Mai bis Oktober 2015 in Torgau zu sehen, präsentiert im Schloss Hartenfels und in der ehemaligen Kurfürstlichen Kanzlei, dem heutigen Stadtmuseum.

Torgau - Schloss Hartenfels im Cranachjahr 2015

„Cranach und die Fürsten“ war eine beliebte und gern gebuchte Themenführung, ergänzt um Stadtführungen zu Cranach und seinen Werken im Schloss, in der Kanzlei und in der Marienkirche. Rund 75.000 Besucher kamen zur Sonderausstellung in die Renaissancestadt Torgau, darunter 8.000 Schüler. Ein vielseitiges Begleitprogramm regionaler und überregionaler Akteure rundete den Besuch in Torgau ab. Tagungen, Vorträge, Konzerte, Fest-Wochenenden und Aktionstage der benachbarten Landkreise boten eine willkommene Ergänzung zum Ausstellungsbesuch. Das einst von der Cranach-Werkstatt ausgestaltete Schloss Hartenfels war imposante Kulisse und Exponat zugleich.

Gotha

Vom 28. März bis 19. Juli 2015, wurde die Sonderausstellung „Bild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation“ im Herzoglichen Museum Gotha gezeigt. In dem Zeitraum von knapp vier Monaten kamen 52.230 Besucher aus dem In- und Ausland. Insgesamt 220 Exponate von Lucas Cranach dem Älteren, Lucas Cranach dem Jüngeren und deren Werkstatt hatten die Kuratoren Bernd Schäfer, Dr. Timo Trümper und Benjamin Spira zusammengestellt.

Gotha, Ausstellung Bild und Botschaft

Dabei lockten wertvolle nationale und internationale Leihgaben aus Toledo (USA), Kopenhagen, Moskau und Prag sowie die einzigartigen grafischen Werke aus dem Gothaer Eigenbestand. Die Publikationen zu der Ausstellung „Bild und Botschaft. Cranach im Dienst von Hof und Reformation“, von denen der Katalog und das Magazin im Morio-Verlag erschienen sind, waren ebenfalls ein großer Erfolg und zwischenzeitlich sogar ausverkauft.

Erfurt

Im Cranach-Jahr 2015 präsentierte das Angermuseum Erfurt in Kooperation mit dem Dom St. Marien und der Kaufmannskirche St. Gregor vom 27. Juni bis 20. September das Ausstellungsprojekt "Kontroverse und Kompromiss - Der Pfeilerbilderzyklus des Mariendoms und die Kultur der Bikonfessionalität im Erfurt des 16. Jahrhunderts".

Erfurt, Kontroverse und Kompromiss

Die Ausstellung thematisierte den Diskurs der christlichen Konfessionen im 16. Jahrhundert, der seinen Ausdruck nicht nur in der theologischen Kontroverse, sondern auch in der Bildenden Kunst fand. Die acht Pfeilerbilder des Erfurter Domes wurden in den Kontext neuer Bildfindungen, motivischer Umdeutungen und ikonographischer Kontinuität gestellt. Die Ausstellung im Angermuseum u.a. mit den erst kürzlich restaurierten Bildtafeln eines Altars zur Legende der Hl. Barbara aus der Cranach-Werkstatt, erhellte den kulturhistorischen und ikonographischen Kontext, während im Dom St. Marien und in der Kaufmannskirche die immobilen Kunstwerke ergänzend kommentiert wurden. Anlässlich der Ausstellung, die 7.115 Besucher hatte, erschien die seit Jahrzehnten umfangreichste Publikation zur Kunstgeschichte des frühneuzeitlichen Erfurts, die viele Werke enthält, die der Forschung bislang wenig oder gar nicht bekannt waren. 

Weimar

Weimars wichtigster Beitrag zum Cranach-Jahr 2015 war die mit etwa 47.000 Besuchern überaus erfolgreiche Ausstellung "Cranach in Weimar". "Diese positive Resonanz macht deutlich: Cranach hat seinen Reiz bis heute nicht verloren. Der große Zuspruch von Kulturtouristen, Schulklassen aber auch Wissenschaftlern zeigt uns, dass wir mit der Ausstellung und unserem Vermittlungskonzept ein breites Publikum für das Cranach-Werk begeistern konnten", sagt Kuratorin Dr. Karin Kolb rückblickend. "Das zeigt sich auch daran, dass der Katalog zur Ausstellung, der im Sandstein Verlag Dresden erschien, ausverkauft ist."

Blick in die Ausstellung Cranach in Weimar

Vom 3. April bis zum 28. Juni 2015 konnten Besucher im Schiller-Museum das Cranach’sche Œuvre und dessen Strahlkraft bis in die Moderne erleben. Zu sehen waren 150 Werke der Cranachs und ihrer Zeitgenossen: Gemälde, Zeichnungen, Graphiken, illustrierte Bücher, Archivalien und Medaillen, darunter rund 20 Leihgaben aus internationalen Museen. Zu ihnen zählten Tizians Bildnisse des Kurfürsten Johann Friedrich des Großmütigen aus dem Kunsthistorischen Museum Wien und dem Museo Nacional del Prado Madrid sowie das einzigartige Bildnis aus den Uffizien in Florenz, das Lucas Cranach der Jüngere 1550 von seinem Vater geschaffen hat.

In Weimar sind Biographie, Werk und Wirkung von Lucas Cranach d. Ä. und Lucas Cranach d. J.  auf ganz besondere Weise nachvollziehbar. Hier hat die Cranach-Werkstatt eines der großartigsten Werke der Reformationszeit hinterlassen: Eine vielbeachtete Medieninstallation brachte den Cranach-Altar der Stadtkirche St. Peter und Paul (Herderkirche) in die Ausstellung und erlaubte den Besuchern, Details des Altars über eine taktile Menüführung aus bislang nicht gekannter Nähe zu betrachten. Motive und Aussagen des Flügelaltars gaben die Themenfolge der Ausstellung im Schiller-Museum vor. Das eröffnende Kapitel "Werk und Künstler" verknüpfte Cranach-Werkgruppen, wie etwa zur Thematik "Gesetz und Gnade", mit Weimar als dem letzten gemeinsamen Wirkungsort von Vater und Sohn. Das zweite Kapitel »Glaube und Reformator« untersuchte die Arbeit der Cranach-Werkstatt im Dienst der Reformation und ihrer Protagonisten. Daran schloss sich das große Kapitel "Botschaft und Auftraggeber" an, das sich dem Cranach‘schen Wirken am Hof Johann Friedrichs des Großmütigen im Auftrag fürstlicher Repräsentation widmete. Das letzte Kapitel, "Rezeption und Betrachter", warf in Exkursen Schlaglichter auf die Wirkungsgeschichte der Cranach-Werkstatt: Erstmals in der Geschichte wurde die Wiederentdeckung der Cranach-Werke im Umfeld Goethes und die daran anschließende Cranach-Rezeption bis hin zum Bauhaus und darüber hinaus in einer Ausstellung beleuchtet.